- ISBN: 9789058677525
- Language: German
- Type: hardback
- Price: € 135,00
- Publication Date: 10/2009
- Subjects: Philosophy- General
- Series: Ancient and Medieval Philosophy - Series 1 40
Willensschwäche in Antike und Mittelalter
Eine Problemgeschichte von Sokrates bis Johannes Duns Scotus
‘Weakness of the will’ is often used as a shorthand expression to describe a situation in which a person acts against his/her better judgement. This well-known phenomenon poses a serious philosophical problem because it questions deeply our self-understanding as rational agents. This volume offers the first comprehensive investigation into the roots of the present discussion of this subject. Four principal areas constitute the basic framework of the history of this problem:
(1) the debate on akrasia in classical Greece;
(2) the Christian understanding of weakness of will in late Antiquity;
(3) the understanding of involuntary actions in the monastic period;
(4) the scholastic controversy between ‘intellectualists’ and ‘voluntarists’ about the roots of human freedom.
The book reconstructs the development of the problem within these frameworks and shows how the Greek and the Christian understanding of weakness of the will are intertwined.
The final part offers an outlook on the present debate in view of these historical findings.
I. Einleitung
I.1. Was ist Willensschwäche? Eine
Phänomenskizze 2
1. Begriffliche und inhaltliche
Differenzierungen an Hand der modernen Diskussion 2
2. Die philosophische und die alltägliche
Problematik der Willensschwäche 12
3. Schlussfolgerungen für die vorliegende
Studie 17
I.2. Forschungsstand zur Problemgeschichte
der Willensschwäche 20
I.3. Programm und Anlage der Studie 25
II. Leidenschaftliche
Begierde contra Vernunft:
Die a)krasi¿a-Debatte der klassischen
Antike
II.1. Prolog: Die Herausforderungen des
Euripides 34
1. Der Fall Phaedra 36
2. Der Fall Medea 40
3. Synopse: Willensschwaches Handeln bei
Euripides 47
II.2. Das Problem der a)krasi¿a
bei Sokrates bzw. Platon:
Vom Saulus zum Paulus? 50
1. Protagoras: Die
handlungstheoretische Unmöglichkeit synchroner Willensschwäche 51
2. ¹Akrasi¿a und e)gkra/teia in Xenophons Memorabilia 58
3. Der Fall Leontios: Seelenteilung und a)krasi¿a
in der Politeia 69
4. Mit Leib und Seele: Willensschwaches
Handeln und a)kra/teia
im platonischen Spätwerk (Nomoi,
Timaios) 80
5. Sokrates, Platon und das
Homunkulus-Problem 87
II.3. Zwischen Sokrates und Platon: ¹Akrasi¿a
bei Aristoteles 92
1. Was ist überhaupt a)krasi¿a? (NE VII, 1-11) 93
2. Die aristotelische Analyse akratischen
Handelns (NE VII 5) 99
3. Zum Problem des „Sokratismus“ in NE VII
5 106
4. Die Psychologie des Handelns (De
anima) und alternative a)krasi¿a-Erklärungen
112
5. Die Willentlichkeit des akratischen
Handelns (NE III 1-3 und EE II 7-8) 122
6. Die aristotelische a)krasi¿a
und die moderne Diskussion
zur Willensschwäche 132
II.4. Phantomdebatten? Zur
Auseinandersetzung mit der a)krasi¿a in der Stoa 136
1. Zentrale Elemente der stoischen
Psychologie und Handlungstheorie 137
1.1. Konturen der
Handlungspsychologie in der alten Stoa
137
1.2. Die stoische
Affektlehre 141
2. ¹Akrasi¿a als Explanandum der stoischen Theorie 144
2.1. Das
Oszillationsmodell 146
2.2. Das Persistenzmodell
150
3. Seelische Schwäche, Selbstbeherrschung
und der stoische Weise 157
4. Innerer Konflikt und Willensschwäche in
der Stoa 165
II.5. Erste Zwischenbetrachtung 171
III. „Denn nicht das, was
ich will, tue ich …“: Die Diskussionen über die
menschliche Freiheit in
der christlichen Spätantike
III.1. Paulus: Die Kluft zwischen Wollen
und
Tun 188
1. Über das Ich von Röm 7 189
2. Die Beschreibung der Willensschwäche in
Röm 7 193
3. Willensschwäche im Spiegel zentraler
Kategorien der paulinischen Anthropologie 198
3.1. Fleisch und Geist 198
3.2. Der Konflikt von
Geist und Fleisch in Gal 5,16-18 201
3.3. Das unter die Sünde
verkaufte Ich und das Problem der Willensfreiheit 205
3.4. Vernunft, innerer
Mensch und Gewissen 209
4. Die paulinische Transformation der a)krasi¿a-Problematik 212
III.2. Die Verteidigung der Freiheit im
Römerbriefkommentar des Origenes 219
1. Gesetz und Gewissen, Sünde und Freiheit
(zu Röm 7,7-13) 221
2. Willensschwäche als Handeln gegen den
eigenen Vorsatz (zu Röm 7,14-25) 228
2.1. „Ex parte in carne, ex
parte in spiritu“: Origenes zur „Ich-Frage“ 228
2.2. Die Beschreibung des
willensschwachen Handelns 230
2.3. Der menschliche
Wille zwischen Geist und Fleisch 232
2.4. Die Macht der
Gewohnheit und die Schwäche des Willens 239
3. Auf dem Weg zur Willensstärke: Der
sittliche Aufstieg der menschlichen Seele 242
3.1. Der Dualismus von
innerem und äußerem Menschen 242
3.2. Der Kampf gegen den
äußeren Menschen und die Aufmerksamkeit auf sich selbst 247
4. Die Bedeutung des Willensbegriffs für
Origenes‘ Interpretation von Röm 7 253
III.3. Willensschwäche und Gewissen: Ein
Querschnitt 257
1. Sunei¿dhsij und conscientia in klassischer Antike, NT
und Patristik 257
2. Petrus Lombardus und die
mittelalterliche Gewissenslehre 262
3. Moralische Willensschwäche als Handeln
gegen das eigene Gewissen 269
III.4. Unde hoc monstrum? Augustinus
und der zerrissene Wille 273
1. Contra Manichaeos: Sünde und
Willentlichkeit in den Frühschriften
(De libero arbitrio, De duabus animabus) 274
2. Kann man gegen seinen Willen sündigen?
Augustins frühe Römerbriefexegese 282
3. Der zerrissene Wille und die Macht der
Gewohnheit (Confessiones) 294
3.1. Willensschwäche als
Krankheit des Geistes (aegritudo animi) 294
3.2. Zur Psychologie der
Gewohnheit und der Selbsttäuschung 300
3.3. Contra Pelagianos:
Die Versuchungen des homo sub gratia und
die Neuinterpretation des
Römerbriefs im Licht der späteren Gnadenlehre 305
4. Klarsichtige Willensschwäche?
Die Ursünde und der Fall des ersten Engels
(De civitate Dei) 314
5. Der Wandel im augustinischen
Freiheitsverständnis 323
6. Die augustinische Neufassung des
Problems der Willensschwäche 329
III.5. Zweite Zwischenbetrachtung 334
IV. Unwilliges Handeln (invitus
facere) und liberum arbitrium
als Problem im 11. und
12. Jahrhundert
IV.1. „Niemand sündigt unwillig“: Anselm
von Canterbury als Socrates redivivus? 347
1. Anselms Ausdifferenzierung des Willensbegriffs
348
2. Die schöpfungstheologischen Grundlagen
des anselmischen Willensbegriffs
und ihre handlungstheoretischen
Implikationen 351
3. Freiheit des Willens versus
Willensschwäche in De libertate arbitrii 357
4. De casu diaboli, oder: Wie kann
ein rationales Geschöpf überhaupt sündigen? 363
5. Menschlicher Wille und Freiheit nach
dem Sündenfall 369
6. Willensschwäche zwischen Determinismus
und Indeterminismus 374
IV.2. Peter Abaelard, oder: „Sündigen ist
menschlich“ 378
1. Die Problemstellung in Abaelards
Römerbriefkommentar 378
2. Die Bestimmung des Sündenbegriffs in
der Ethica 386
3. Anthropologische Voraussetzungen von
Sünde und willensschwachem Handeln 394
4. Willensschwäche und Tugendlehre 401
5. Die Bedeutung der Willensschwäche für
Abaelards Ethik 408
IV.3. Bernhard von Clairvaux:
Willensschwäche und Selbsttäuschung 414
1. Das liberum arbitrium und die
menschliche Freiheit 415
2. Bernhards Auffassung von Röm 7: necessitas
voluntaria 421
3. Invitus facere und infirmitas
voluntatis: Die Selbsttäuschung des Petrus 426
4. Bernhards christlicher Sokratismus 431
5. Willensschwäche als amor infirmus 437
6. Bernhards affektiv-volitionales Konzept
der Willensschwäche 444
IV.4. Dritte Zwischenbetrachtung 449
V. Zwischen
Intellektualismus und Voluntarismus:
Die scholastische Debatte
um die Willensschwäche im 13. Jahrhundert
V.1. Die Rezeption der Nikomachischen
Ethik als Ausgangspunkt der Diskussionen 459
1. Die translatio Lincolnienis und
das lateinische Schrifttum zu NE VII um 1250 460
2. Die intellektualistische a)krasi¿a-Interpretation von Albertus Magnus 465
V.2. Thomas von Aquin: Die Willentlichkeit
des „Sündigens aus Leidenschaft“ 474
1. Die menschliche Handlung als dynamische
Interaktion von Wille und Vernunft 475
2. Die Analyse der aristotelischen a)krasi¿a 480
3. Die Rolle des Willens in der
Willensschwäche 486
4. Eine Typologie willensschwacher
Handlungen 491
5. Willensschwäche und Gewissen 494
6. Willensschwäche als Disposition
willensschwacher Handlungen?
Die infirmitas animae und ihre
Kurierung 497
7. Der problemgeschichtliche Fortschritt
bei Thomas 504
V.3. Die deterministische Bedrohung der
menschlichen Freiheit und ihre Verteidiger 507
1. Der intellektualistische
Indeterminismus bei Siger von Brabant 510
2. Der voluntaristische Indeterminismus
bei Walter von Brügge 517
3. Intellektualismus, Voluntarismus und
die Verurteilung von 1277 523
V.4. Heinrich von Gent: Auf der Suche nach
einer voluntaristischen a)krasi¿a-Deutung
528
1. Drei Thesen zum Willensbegriff bei
Heinrich von Gent 530
2. Contra Socratem: Verkehrtheit des
Willens und Oszillation praktischer Urteile (Quodlibet I) 539
2.1. Wille und Vernunft
in Quodlibet
I 539
2.2.
Vermögenspsychologische Erwägungen zur Struktur und Verursachung von
Willensakten 543
2.3. Heinrichs voluntaristische
Deutung der aristotelischen a)krasi¿a 546
2.4. Sub ratione boni oder sub
ratione optimi?
Eine
handlungstheoretische Debatte im ausgehenden 13. Jahrhundert 550
3. Zwischen Scylla und Charybdis:
Willensschwäche im Spannungsfeld der Verurteilung
von 1277 und der propositio magistralis
des Aegidius Romanus (Quodlibet X) 557
4. Contra Aristotelem: Verschiebungen
zwischen Quodlibet I und X
563
5. Heinrichs moderater Voluntarismus und
seine Kritiker 567
V.5. Willensschwäche als
handlungstheoretischer Streitfall:
Voluntaristische Radikalisierungen und
intellektualistische Reaktionen 575
1. Der Korrektorienstreit 575
2. Die anti-aristotelische Deutung der
Willensschwäche bei Petrus Johannis Olivi 581
3. Johannes von Pouilly:
Willensschwäche und all things considered judgment 589
V.6. Johannes Duns Scotus, oder: Das Ende
der Willensschwäche? 594
1. Scotus und das peccare ex
infirmitate
595
2. Scotus‘ Kritik an der Interpretation
der Willensschwäche bei Heinrich von Gent
598
3. Peccatum ex malitia: Wie ist
klarsichtige Willensschwäche möglich? 606
4. Willensschwäche, moralische Tugenden
und Klugheit 617
5. Der starke Wille und die
Willensschwäche 627
V.7. Vierte Zwischenbetrachtung 631
V.8. Epilog: Willensschwäche ohne Ende?
Ein Ausblick 649
VI. Schluss
VI.1. Zentrale Elemente der
Problemgeschichte in Antike und Mittelalter 657
VI.2. Die Rolle des Willens in der
historischen Problementwicklung
681
VI.3. Willensschwäche ohne Willen?
Überlegungen zur gegenwärtigen Debatte 697
Quellen- und
Literaturverzeichnis 715
Jörn Müller (Universiteit van Würzburg) schetst op heldere wijze de geschiedenis van het denken over het fenomeen 'wilszwakte' vanaf de klassieke oudheid tot en met de vroege middeleeuwen in zijn boek 'Willensschwäche in Antike und Mittelalter. Eine Problemgeschichte von Sokrates bis Johannes Duns Scottus'. Het is een must voor iedereen die geïnteresseerd is in wilszwakte, de (vrije) wil of filosofische psychologie. Het omvangrijke boek is toegankelijk voor mensen die kennis willen maken met het onderwerp, maar boeiend voor kenners die geïnteresseerd zijn in een gedetailleerde en kritische bespreking van zowel toonaangevende visies binnen het debat als visies die sterk bepalend zijn geweest in de loop van de geschiedenis, maar die tegenwoordig op de achtergrond zijn geraakt.
Paulien Snellen, Tijdschrift voor Filosofie 73 (2011), 1
Language: German
NUR
- 732 | Geschiedenis van de filosofie
- Number of pages: x-816 p.
- Width: 160 cm
- Height: 240 cm
- Jörn Müller, Author (all publications from this author/editor with Leuven University Press)
Jörn Müller studied philosophy, history and education at Bonn and Edinburgh. He obtained his PhD at Bonn in 2001 with a study on the ethics of Albert the Great. In 2008 he finished his ‘habilitation’ at Bonn. He has been holding a chair for the history of philosophy at the University of Würzburg since October 2007.


